Historisches Datum: Vor 90 Jahren: Nazis weihten Marine-Ehrenmal in Laboe ein

Der markante Turm in Laboe war 1927 als Kriegerdenkmal für getötete Marinesoldaten konzipiert worden. Eingeweiht haben ihn 1936 die Nationalsozialisten. Ein Gedenktag ist der 30. Mai deshalb nicht.

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Der 72 Meter hohe Backstein-Turm ist von weitem sichtbar: Das Marine-Ehrenmal in Laboe wird an diesem Wochenende 90 Jahre alt. Am 30. Mai 1936 haben die Nationalsozialisten die Gedenkstätte im Beisein von Reichskanzler Adolf Hitler eingeweiht. Ein spezielles Gedenken wird es an diesem Tag aber nicht geben.

"Wir gehen auf dieses Datum nicht ein", sagt Jann Witt, Historiker des Deutschen Marinebundes am Marine-Ehrenmal Laboe. "Es ist Teil unserer Geschichte, aber nicht Teil unserer Gedenktradition." Die Einweihung des Marine-Ehrenmals habe 1936 ganz im Geist des Nationalsozialismus stattgefunden. Davon distanziere man sich heute klar und eindeutig.

Die Idee, ein Ehrenmal als Gedenkstätte für die Opfer der Kaiserlichen Marine im Ersten Weltkrieg zu errichten, entstand in der Weimarer Republik. Baubeginn war am 8. August 1927, also fünfeinhalb Jahre vor der Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland. Nach 1933 hätte die NS-Propaganda das gezielt aufgegriffen und den Gedanken der Rache für erlittene Opfer der Marine in den Vordergrund gestellt, erklärt Witt.

Anknüpfungspunkt an Marine-Tradition im Kaiserreich

Der 30. Mai 1936 sei der Vorabend zum 20. Jahrestag der Seeschlacht am Skagerrak 1916 gewesen, für die Nazis ein Tag mit hoher Symbolkraft und ein Anknüpfungspunkt an die alte Marine-Tradition im Kaiserreich. Der Tag sei in Laboe mit einem großen Zapfenstreich und einer Flottenparade begangen worden. An Stelle von Hitler habe bei der Feier Generaladmiral Erich Raeder die Rede gehalten. Er war seit 1928 Oberbefehlshaber der Marine, so der Historiker.

"Bis 1945 war das eine NS-Heldengedenkstätte und dem Geist des Revanchismus verhaftet", erklärt Witt. Nach Kriegsende übernahmen zunächst die Briten die Kontrolle über das Ehrenmal. Am 30. Mai 1954 übernahm der neu gegründete Deutsche Marinebund die Anlage, seitdem bestimmt der Gedanke der Versöhnung und Völkerverständigung die Arbeit. Seit 1996 ist das Ehrenmal eine internationale Gedenkstätte an Seeleute aller Nationen, die ihr Leben auf See verloren haben.

Im kommenden Jahr begehe man den 100. Jahrestag der Grundsteinlegung des markanten Bauwerks an der Kieler Förde, erklärt Historiker Jann Witt.

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